Sonntag, 19. November 2017 04:51:28

medienhb.Playout

Sendeabwicklung

Die Sendeabwicklung (SAW) bildet die technische Zentrale zur Ausspielung aller Programminhalte eines Fernsehsenders, nach Abfolge eines vordefinierten Sendeplans.

Aufgaben

Die Sendeabwicklung dient der zeitlichen oder sequenziell gesteuerten Ausspielung von vorproduzierten Programmbeiträgen, Live-Sendungen, Werbung und Trailern. Darüber hinaus werden dem Programm das Senderlogo und andere grafische Zusatzeinblendungen beigemischt. Die Sendeabwicklung stellt zudem sicher, dass Eingangs- und Sendesignale überprüft sowie bei Störungen entsprechende Havariemaßnahmen umgesetzt werden.

Sendeablaufsteuerung

Die Sendeautomation ist ein computergestütztes System zur Steuerung von Ablaufprozessen in der Sendeabwicklung. Das System dient der Abarbeitung ständig wiederkehrender technischer Vorgänge, wie u.a. das Schalten der Quellensignale auf den Sendeausgang mittels Kreuzschienensystem oder Sendeablaufmischer, die Ansteuerung von Wiedergabe- und Aufzeichnungsgeräten sowie das Einfügen von Logos und Grafiken in Echtzeit. Die Sendeautomation stellt dem kompletten Sendeplan in Form einer Tabelle, der Playlist (Abspielliste), dar. Diese enthält neben den Programmereignissen alle Quellenverweise und Steuerbefehle die nacheinander abgearbeitet werden. mehr

Mitarbeiter

Sendetechniker / Sendeingenieur

Der Sendetechniker oder Sendeingenieur ist ein Mitarbeiter in der Sendeabwicklung bzw. einem Playout Center. Er sorgt für die reibungslose Abwicklung des gesamten Fernsehprogramms eines oder mehrerer Sender in enger Zusammenarbeit mit der Sendeleitung, Programm- und Sendeplanung.

Zu den wesendlichen Aufgaben gehört dabei die eigenverantwortliche Bedienung der Sendeinfrastruktur und der Sendeautomationssysteme (Sendeablaufsteuerung) zur Programmvorbereitung. Er verantwortet dabei die technische Ausspielung und Aufnahme von live- und vorproduzierten Programminhalten, überprüft Sendepläne sowie das Sendematerial auf Vollständigkeit und dient als technischer Ansprechpartner im Problemfall. Bei Störungen übernimmt der Sendetechniker bzw. Sendeingenieur das Havarie-Management und sorgt somit für die Aufrechterhaltung des Sendebetriebs.

Organisatorische Prozesskette

Die Abwicklung des Fernsehprogramms setzt das Ausspielen und Schalten aller benötigten Programminhalte zum jeweilig richtigen Zeitpunkt voraus. Die dazugehörige Infrastruktur beginnt mit der Bereitstellung der Quellengeräte und -signale um vorproduzierte Programmbeiträge und Live-Inhalte on Air geben zu können. Die Realisierung einer störungsfreien und zeitgenauen Programmausspielung setzt damit natürlich voraus, das Sendematerial angeliefert und sendefähig zur Verfügung steht, und das interne Studio/Regie- sowie externe Eingangssignale über Leitungszuspielungen oder SNG-Strecken zur Übertragung von Live-Sendungen eingerichtet sind.

Bereitstellung von Programminhalten

Im Gegensatz zu Live-Sendungen die im Moment der Herstellung bereits gesendet werden, erfolgt die Abwicklung von vorproduzierten Sendeinhalten über entsprechende Wiedergabe-Geräte, wie Bandmaschinen (MAZ-Player) oder Videosendeserver. Die Anlieferung des Sendematerials kann daher in Form von Sendebändern und dem anschließenden Material-Ingest (Einspielung auf Videoserver) oder direkt als Videofile mittels File-Transfer auf den Sendeserver erfolgen. Der Zeitpunkt der Bereitstellung ist dabei entsprechend vom jeweiligen Format abhängig. So kann das Sendematerial für bereits hergestellte Programminhalte Wochen oder Tage, und für Aktuellere erst wenige Stunden oder gar - im seltenen Fall - Minuten vor der Ausstrahlung bereitgestellt werden. Ist die Zeit für eine Überspielung und anschließende Sendevorbereitung zu knapp, so kann auch eine Live-Zuspielung von bereits aufgezeichneten Sendung direkt an die Sendeabwicklung erfolgen. Dies wäre der Fall, wenn die Herstellung einer Sendung aus Aktualitätsgründen erst am Sendetag selbst - jedoch nicht live - erfolgen kann, und die Anlieferung über andere Wege den geplanten Sendeablauf und die Sendesicherheit aus Zeitmangel erheblich bedrohen würden. Im Gegensatz dazu, kann das bereits längerfristig vorliegende Sendematerial in digitalen Langzeitarchiven oder als Sendeband im Lager bis zur notwenigen Sendevorbereitung aufbewahrt werden.

Beispielmodell einer Sendeinfrastruktur

Das vorliegende Beispiel zeigt den möglichen Aufbau einer Sendeinfrastuktur. Nahezu alle Systeme sind redundant (zusätzlich vorhanden) und sichern so den reibungslosen Ablauf der Programmausspielung. Kommt es zu technischen Ausfällen oder sollen einzelne Geräte, die fest im Sendeweg integriert sind, gewartet, neugestartet, upgedatet oder getestet werden, so kann zwischen den jeweiligen Teilbereichen umgeschaltet werden ohne den Sendebetrieb zu gefährden oder gar zu unterbrechen. Gesteuert wird der gesamte Abwicklungsprozess automatisiert über eine verwendete Sendeablaufsteuerung, die über serielle und GPI-Schnittstellen alle angebundene Geräte innerhalb der geschlossenen Peripherie zeitgerecht steuert.

Signalquellen:

  • Zuführung von externen Downlink-, Richtfunk- oder Leitungssignalen für Live-Übertragungen
  • Zuführung von hausinternen Regie-/Studiosignalen für Live-Sendungen
  • Videoserver (Main und Backup) mit mehreren Ausspielkanälen zur Content-Zuspielung von bevorrateten Sendungen, Werbe- und Promotionselementen
  • optional: standalone VTR-Maschinen und Kassettenautomat (bspw. Flexicart) für Material-Ingest, Sendemitschnitte oder als Zuspielmöglichkeit im Havariefall
Signalverteilung:
  • SDI-Kreuzschiene zur hausinternen Verteilung der Videosignale mit embedded Audio
Signalschaltung & Playout Monitoring:
  • Sendeablaufmischer zur Signalschaltung und -mischung der Video-/Audioquellen im Sendeweg, inkl. der Realisierung von Übergangseffekten
  • Havarie-Kreuzschiene zur Backup-seitigen Absicherung der Signalschaltung
  • Signalverteilung auf einzelne Videomonitore oder zur Darstellung auf LCD- oder Plasma-Displays über Multiviewer-Systeme
Logo- & Grafikzusatz:
  • Logo-Inserter (A- und B-seitig) zum Zusetzen des Senderlogos und kurzer Grafiksequenzen parallel auf beiden Sendelinien
  • Grafik Engines (A- und B-seitig) zum Zusetzen animierter Sendegrafiken, Crawls, Bauchbinden, Backagains und digitalen Videoeffekten parallel auf beiden Sendelinien
  • Delay/Frame-Synchronizer zur Erzeugung einer festen Signalverzögerung (Zeitausgleich) außerhalb der Grafik Engins für die frame-genauen Havarie-Umschaltung
Zusatzdaten & Signalaufbereitung:
  • Audio Limiter (A- und B-seitig) zur Vermeidung von Pegelübersteuerungen
  • Inserter (A- und B-seitig) zum Zusetzen der Daten für VPS, Teletext und Video Index
  • Encoder zur Erzeugung eines MPEG-2-Datenstroms im DVB-ASI-Format

Der Sendeabwicklung stehen verschiedene SDI-Signale (digitale Komponentensignale mit integriertem Audio) zur Verfügung. So etwa Live-Signale für die Übertragung von Außenproduktionen (bspw. Sportereignisse etc.), extern zugeführte Live-Sendungen oder zugespielte Vorproduktionen deren Herstellung in Studios anderer Standorte erfolgt. Die Zuführung der Live-Signale sollte bestenfalls auf zwei getrennten Signalzulieferungen erfolgen, so dass bei einer Ausfallsituation sofort auf den zusätzlich (zweiten) zugeführten Signalweg geschaltet werden kann. Erfolgt die Ausstrahlung einer Live-Sendung die in unmittelbarer Nähe zum Playout entsteht, wird die Signalverteilung über das hausinterne Kreuzschienennetz ermöglicht. Darüber hinaus stehen der Abwicklung für die Programm-, Promo- und Werbeausspielung parallel betriebene Videoserver Main- und Backup-seitig zur Verfügung. Das vorliegende SAW-Modell wurde zusätzlich mit optional verwendbaren VTRs (Videobandmaschinen) und einem Kassettenautomat für eventuelle Sendemitschnitte, kurzfristige Materialeinspielungen oder als Havarie-Option bei einem (wenn auch unwahrscheinlichen) kompletten Videoserver-Ausfall bestückt. So soll gewährleistet werden einen Komplettausfall möglichst auszuschließen. Die Quellensignale werden via SDI-Schnittstelle über das Kreuzschienensystem geroutet und liegen Ausgangs-seitig erneut als SDI-Signale zum Abgriff bereit. An der Kreuzschiene angebunden sind die einzelne Videomonitore bzw. das Multiviewer-System zur Großflächigen Abbildung der zu überwachenden Quellen- und Sendesignale. Darüber hinaus liegen die Quellensignale am Sendeablaufmischer zur Signalschaltung im Sendeweg sowie an der Havarie-Kreuzschiene zur Absicherung des selbigen an - auf die im Notfall durch den Havarie-Schalter jederzeit umgeschaltet werden kann. Das gemischte Videosignal mit integriertem Audio wird anschließend über einen Logo-Inserter geführt, der dem Sendesignal das entsprechende Senderlogo zusetzt. Backup-seitig steht hier ein zweiter Logo-Inserter für Havarie-Zwecke zur Verfügung. Für weitere grafische Einblendungen wie Crawls, Backagains oder der Realisierung von digitalen Videoeffekten für Sonderwerbeformen und Promo-Splitscreen-Abspännen wird nachstehend A- und B-seitig eine Grafik Engine zur Einbindung von Echtzeitgrafiken eingesetzt, die über ein Delay geführt notfalls aus dem Sendeweg genommen werden können. Das gemischte und mit Senderlogo versehende Sendesignal wird schließlich zur Sicherheit weiter auf getrennten Sendelinien über Audio Limiter und nachstehende Inserter geführt. Dabei werden dem Sendesignal die VPS- und Teletext-Daten sowie der VI (Video Index) zur 16:9/4:3-Fomatsignalisierung zugesetzt, bevor das Signal über die Kreuzschiene geroutet am Sendeausgang über Encoder nach MPEG-2 codiert im DVB-ASI Transportstrom an die eigene oder eine externe Verbreitungsanlage übergeben wird.

Die in der Sendeabwicklung gebündelten Prozesse bilden den Abschluss der möglichen Einflussnahme in das ausgehende Sendesignal. Kommt es zu Störungen oder Ausfällen in der Übertragungskette vom Verbreitungsanbieter (SES ASTRA, Eutelsat, Kabel Deutschland, Unity Media, Deutsche Telekom usw.) zum Heimempfänger, so kann von Seiten des Senders und der Sendeabwicklung nur die Information über die aufgetretene Störung (die nicht eigenverschuldet ist) an den jeweiligen Verbreitungsanbieter weitergeleitet werden. Die Wiederherstellung des zu verbreitenden Sendesignals obliegt dann komplett dem jeweiligen Betreiber, da dem Sender in der Regel kein Einfluss auf deren unabhänige Sendeanlagen ermöglicht wird.

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