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Kollegen und DJV stehen hinter ZDF-Chefredakteur Brender

23.11.2009 23:00 | ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen)

Vor der am Freitag fallenden Entscheidung über die Zukunft des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender (Foto), stärken nun namhaften Kollegen sowie der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) dem 60-Jährigen den Rücken.

Am Dienstag wandten sich 17 deutsche Erstunterzeichner der im Frühjahr verabschiedeten Europäischen Charta für Pressefreiheit in einer Erklärung gegen „einen massiven politischen Eingriff in die Unabhängigkeit“ des ZDF. Nach dem Willen von ZDF-Intendant Markus Schächter soll Brender weitere 5 Jahre im Amt bleiben. Konservative Politiker, allem voran Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der auch das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des ZDF-Verwaltungsrats bekleidet, stellten sich gegen die Absicht einer Vertragsverlängerung. Als Grund werden unteranderem sinkende Quoten im ZDF-Informationsbereich angeführt.

Die Entscheidung über die Vertragsverlängerung Brenders treffen (im Sinne § 27 Abs. 2 ZDF-Staatsvertrag) der ZDF-Intendant Schächter und die Mitglieder des Verwaltungsrats. Neun von 14 Mitgliedern müssen dem zustimmen. Bereits neun der Mitglieder können jedoch auch dem konservativen Lager zugerechnet werden.

Michael Konken, Vorsitzender des DJV warnte Koch und die anderen Mitglieder des ZDF-Verwaltungsrats „noch einmal eindringlich davor“, sich zu einer Verletzung der im Grundgesetz verankerten Rundfunkfreiheit im Fall Brender hinreißen zu lassen. „Der unabhängige Chefredakteur, der Herr Brender ist, darf nicht zugunsten eines parteiischen Chefredakteurs verdrängt werden“, sagte Konken. „Sollte der Verwaltungsrat tatsächlich nicht davor zurückschrecken, den Willen des ZDF-Intendanten zu ignorieren und den Vertrag von Nikolaus Brender nicht zu verlängern, dann wäre das ein beredtes Beispiel für den niedrigen Stellenwert der Rundfunkfreiheit im Denken prominenter Parteipolitiker in Deutschland.“

Zu den Unterstützern Brenders zählen: Thomas Osterkorn, Andreas Petzold, Hans-Ulrich Jörges und Hans-Martin Tillack („Stern“), Mathias Müller von Blumencron und Hans-Ulrich Stoldt („Der Spiegel“), Christoph Keese (Axel Springer AG), Thilo von Trott (Gruner+Jahr), Matthias Naß („Die Zeit“), Hendrik Ankenbrand („Frankfurter Allgemeine Zeitung“), Clemens Wergin („Die Welt“), Harry Nutt („Frankfurter Rundschau“), Steffen Klusmann („Financial Times Deutschland“), Peter-Mathias Gaede („Geo“), Bascha Mika (Publizistin, früher „taz“), Michael Rediske (Reporter ohne Grenzen), Hendrik Zörner (Deutscher Journalisten-Verband).

Quelle: dpa / Bild: ZDF

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