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Peter Boudgoust bleibt SWR-Intendant

10.06.2011 17:13 | SWR (Südwestrundfunk)

Peter Boudgoust © SWR/Alexander Kluge Der bisherige Intendant des Südwestrundfunks (SWR) bleibt auch weiterhin an der Spitze des Senders. Der 56-jährige Peter Boudgoust  wurde am heutigen Freitag, 10. Juni 2011, in Mainz für weitere fünf Jahre zum Intendanten des SWR gewählt. In der gemeinsamen Sitzung von Rundfunk- und Verwaltungsrat erhielt Boudgoust 66 von 72 Stimmen und ist damit für eine weitere Amtsperiode, beginnend am 1. Mai 2012, wiedergewählt. Als zentrale Ziele für diese zweite Amtszeit nannte Boudgoust, sich verstärkt für einen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal zusammen mit dem ZDF einzusetzen, die SWR-Strukturen zu straffen und im SWR Fernsehen einen Experimentierplatz einzurichten. In einer zunehmend entsolidarisierten und von Egoismen geprägten Gesellschaft bilde der SWR einen starken Gegenpol. „Mit unseren Programmen bringen wir Menschen zusammen. Eben nicht mit klebrigen Süßstoff-Lockmitteln, sondern mit relevanten Angeboten zu relevanten Themen. Wir setzen auf Partnerschaft mit unseren Nutzern, geben Halt und Orientierung“, so Boudgoust.

Neben einem Rückblick auf die zentralen Themen der laufenden Amtsperiode und auf die Zeit des ARD-Vorsitzes erläuterte Peter Boudgoust den Aufsichtsgremien die Ziele seiner zweiten Amtszeit. Hier treibe ihn vor allem die Sorge um, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine ganze Altersgruppe dem Trash-Fernsehen und den Krawall-Shows der kommerziellen Programmanbieter überlasse. Boudgoust: „Wir müssen mithelfen, dass gerade junge Menschen aus allen Schichten ankommen in dieser Gesellschaft, dass sie sich nicht an falschen Erfolgsmustern orientieren. Deshalb braucht diese Gesellschaft einen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal.“ Der SWR arbeite bereits konkret an dieser Idee. Hörfunkdirektor und Fernsehdirektor hätten gemeinsam ein Entwicklungslabor aufgebaut, das neue Programmideen für Jugendliche in den Digitalkanal EinsPlus und bei DASDING.de einbringe. Boudgoust: „Wir haben bereits marktreife Produkte, wenn die Entscheidung für einen Jugendkanal gefallen sein wird. Allerdings: Allein wird die ARD das finanziell nicht schaffen. Gemeinsam mit dem ZDF wäre ein Jugendkanal morgen möglich. Hier will ich persönlich zu einem Ergebnis kommen in einer zweiten Amtszeit.“

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Boudgoust erinnerte daran, dass die Fusion von SWF und SDR zum SWR ein historischer Erfolg der Medienpolitik in den Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gewesen sei. Die damals gefundenen Strukturen müssten jetzt jedoch überprüft werden, weil sie zum Teil nicht mehr zeitgemäß seien und den Sender zunehmend ausbremsten. Damit der SWR in einer multimedialen Welt zukunftsfähig bleibe, brauche man mehr Flexibilität. Boudgoust: „Wir müssen darüber nachdenken dürfen, ob wir noch eine Fernsehdirektion, eine Hörfunkdirektion und zwei Landessenderdirektionen in den gegenwärtigen Zuschnitten brauchen mit einer komplizierten Arbeitsteilung, die viel Kraft im Getriebe verbraucht. Oder vielmehr übergreifende Programmeinheiten oder gar einen zentralen Programmdirektor für alle Medien. Das geht aber nicht, wenn die örtliche und funktionale Aufteilung dieser vier Direktionen über die zwei Bundesländer per Gesetz geregelt und festgeschrieben ist.“ Boudgoust ergänzte, dass der SWR die Möglichkeit brauche, überhaupt Entscheidungen treffen zu können, die zu mehr Flexibilität führen, die seine Wettbewerbssituation, den medialen Veränderungen und dem Auftrag entsprechen, statt an kleinteilige Vorgaben aus dem Staatsvertrag gebunden zu sein. Er plädierte für ein Mehr an Selbstverwaltung – unter der Aufsicht der Gremien des SWR.

Weiterhin kündigte Boudgoust an, im SWR Fernsehen einen Experimentierplatz einzurichten. In einem gesteuerten Prozess seien alle Mitarbeiter aufgerufen, Ideen für neue TV-Formate einzureichen. Eine multimedial erfahrene Jury werde dann unter Federführung der Fernsehdirektion entscheiden, welche neuen Formate getestet und prominent im SWR Fernsehen platziert werden. Boudgoust: „Wir wollen einen Experimentierplatz im SWR Fernsehen, der nach innen und außen dokumentiert, dass wir es ernst meinen mit der programmlichen Erneuerung, mit der Schärfung unseres öffentlich-rechtlichen Profils. Die Zuschauer erwarten, dass das Ungewöhnliche gewöhnlich wird bei uns“, so Boudgoust.

Bei seinem Rückblick hatte Boudgoust auf die Erfolge des im SWR eingeleiteten Strategieprozesses verwiesen: Der SWR hat eine zusätzliche werktägliche Nachrichtenschiene zur Mittagszeit im Internet und im Fernsehen eingeführt. Das Profil wurde außerdem mit einer Stärkung von Formaten wie dem Wirtschafts- und Verbrauchermagazin „Marktcheck“, der Dokumentationsreihe „betrifft“ oder den landespolitischen Magazinen „zur Sache!“ für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, deutlich geschärft. Vor allem im Hörfunk und im Internet ist es gelungen, jüngere Nutzer für den öffentlich-rechtlichen Sender zu erschließen. „Das Programm ist noch näher dran an der Lebenswirklichkeit der Menschen. Wir erreichen wieder ein breiteres Publikum, mehr jüngere Menschen, und zwar bemerkenswerterweise auch mit ausgesprochen journalistischen Formaten. Unser Image hat sich im letzten Jahr spürbar verbessert“, so Boudgoust.

Quelle: Südwestrundfunk

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