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Foht-Affäre: MDR-Intendant Reiter nimmt Stellung zu den Vorwürfen / Fernsehdirektor hatte seit 2009 Kenntnis

17.08.2011 18:37 | MDR (Mitteldeutscher Rundfunk)

Udo Reiter © MDR/Martin Jehnichen Der Fall um den suspendierten Unterhaltungschef des MDR, Udo Foht, weitet sich seit Tagen aus (medienhb.de berichtete). Nun nimmt MDR-Intendant Udo Reiter (Foto) ausführlich Stellung zu den Vorgängen in der Leipziger Sendeanstalt.

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Wie der MDR-Intendant heute in einer Pressemitteilung bekannt gab, habe er im Mai 2011 nach dem Betrugsfall um den ARD/ZDF-Kinderkanal KI.KA eine unabhängige Untersuchungskommission beauftragt, die Strukturen und Abläufe innerhalb des Hauses zu überprüfen, um ähnliche Vorkommnisse in Zukunft auszuschließen. „Daraufhin hat sich ein Produzent an die Juristische Direktorin des MDR gewandt und ihr von merkwürdigen Geldgeschäften im Bereich der Fernsehunterhaltung berichtet. Die sofort eingeleiteten Nachforschungen ergaben, dass der Leiter des Programmbereichs Unterhaltung des MDR Fernsehens, Udo Foht, sich offenbar bei Produzenten und Privatpersonen Geld geliehen hat, das er angeblich für Produktionen oder notleidende Produktionsfirmen benötigte“, so Reiter. Dieses Geld sei dann teilweise von Dritten, teilweise mit großer Verspätung, teilweise gar nicht zurückgezahlt worden.

Dem MDR sei allerdings nach bisherigem Erkenntnisstand keinerlei finanzieller Schaden entstanden, heißt es aus der MDR-Intendanz. Gleichwohl habe Foht grob gegen Regularien des Senders verstoßen. Nach der Suspendierung des langjährigen Unterhaltungschefs wurde der Vorfall der Staatsanwaltschaft übergeben, sagte Reiter.

Udo Reiter zum aktuellen Kenntnisstand des MDR: „Was die Kenntnis der Geschäftsleitung von den Fohtschen Praktiken betrifft, ist richtig, dass sich am 28.09.2009 ein Produzent an mich gewandt und darauf hingewiesen hat, dass ihm Herr Foht 10.000 Euro schulde. Ich habe diesen Vorgang an den Fernsehdirektor weitergegeben und erhielt von ihm Mitte Oktober die Mitteilung, dass die Sache erledigt sei. Daraufhin habe ich keine weiteren Nachforschungen angestellt. Der Fernsehdirektor selbst hatte seit Februar 2009 Kenntnis von einer weiteren Forderung an Herrn Foht in Höhe von 20.000 Euro. Diese Forderung wurde offenbar von einem Dritten beglichen. Die Details dieser Rückzahlungen sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen, zu denen wir nach Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft derzeit keine weiteren Angaben machen können.“

Reiter nimmt allerdings auch Stellung zu den Vorwürfen, die seit einigen Tagen in der Presse kursieren. Behauptungen wo nach im MDR "kaum eine Instanz intakt" sei, weist der Intendant als maßlos und unangemessen zurück. Aus Sicht Reiters liegt die Vermutung nahe, dass hier versucht werden soll, die aktuellen Probleme des MDR zu instrumentalisieren, um den Sender und seine Organe im Vorfeld der Intendantenwahl unter Druck zu setzen. Reiter weiter: „Dass nun interessierte Kreise diese Dinge dazu benutzen, den MDR und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt anzugreifen, war zu erwarten. Dabei wird gezielt ignoriert, dass im MDR Tausende von engagierten Mitarbeitern gute Arbeit leisten. Der MDR gehört zu den erfolgreichsten Sendern in der ARD, seine Programme sind beim Publikum beliebt und seine Finanzen geordnet. Richtig ist, dass das Einrichten von Controlling-Planstellen in den stürmischen Aufbaujahren nicht immer im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stand. Letztlich haben aber die Kontrollinstanzen des MDR zur Aufklärung der Betrugsfälle entscheidend beigetragen. Vor allem Rundfunk- und Verwaltungsrat haben ständig auf die Offenlegung aller Tatbestände gedrängt. Am 31.8. findet zum Fall Foht eine Sondersitzung des Rundfunkrats statt.“

Der MDR werde zur Aufarbeitung der Vorwürfe um den gesamten Tatbestand in Zusammenarbeit mit der Untersuchungskommission und der Staatsanwaltschaft beitragen. Man sei an einer lückenlosen und offenen Aufklärung interessiert. „Ich werde jedenfalls mein möglichstes tun, um meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin einen geordneten Sender zu übergeben“, so Reiter.

Der MDR-Intendant Udo Reiter gab Ende Mai seinen vorzeitigen Abschied bekannt (medienhb.de berichtete). Ein Nachfolger soll noch in diesem Jahr gewählt werden.

(od)

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