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Trauer um früheren Medienmogul: Leo Kirch verstorben

14.07.2011 12:33 | Kirch-Gruppe

Leo Kirch © medienhb.de Der Medienunternehmer Leo Kirch ist tot. Der einstige Medienmogul verstarb am Donnerstagsvormittag im Alter von 84 Jahren in München. Kirch war über Jahrzehnte einer der mächtigsten Medienunternehmer in Deutschland. Ihm gehörten Fernsehsender wie ProSieben, Sat.1, N24, DSF (heute: SPORT1) und der Bezahlsender Premiere (heute: Sky).

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Mit rund 40.000 Stunden Serien und weit über 10.000 Film-Titeln verfügte Kirch über die größte Sammlung an Spielfilmen, deren Ausstrahlungsrechte er sich seit den 1950er-Jahren sicherte. Als in den 1980er-Jahren das Privatfernsehen aufkam, stieg Kirch ein und beteiligte sich bei Sat.1, wo er u.a. die eigenen Spielfilm-Rechte nutzen konnte. Mitte der 1990er-Jahre gründete er den Bezahlfernsehsender DF1. 1999 erfolgte die Fusion mit Konkurrent Premiere zu Premiere World.

Steigende Verluste im Pay-TV-Geschäft führten 2002 zum größten Tiefschlag – die Insolvenz des Medienkonzerns. Nachdem Zahlungsschwierigkeiten Kirchs bekannt wurden, wuchsen die Schulden des Unternehmens auf über 7 Milliarden Euro an. Verantwortlich für den Niedergang seines Konzerns machte Kirch den damaligen Chef der Deutschen Bank. Breuer hatte in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs in Zweifel gezogen. Das Verfahren auf Schadenersatz in Milliardenhöhe läuft noch immer.

Trauerbekundungen:

Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM): "Mit großer Betroffenheit habe ich vom Tod des Medienunternehmers Leo Kirch erfahren. Der Medienunternehmer Kirch hat einen wesentlichen Beitrag geleistet für den privaten Rundfunk und damit auch zum Aufbau des dualen Rundfunksystems in Deutschland, das international beispielhaft ist. Leo Kirch hat sich stets durch mutige Entscheidungen ausgezeichnet und mit hoher Innovationskraft immer vorausschauend im Medienmarkt gewirkt. So war er bereits Mitte der 90er Jahre einer der Pioniere bei der Entwicklung des digitalen Fernsehens. Durch sein erfolgreiches Wirken hat nicht zuletzt auch der Medienstandort München und Bayern enorm profitiert mit vielen neu geschaffenen Arbeitsplätzen und heute noch erfolgreichen Programmangeboten."

Gerhard Zeiler, Geschäftsführer RTL Group in Luxemburg:
"Leo Kirch war ein großer Unternehmer und ein Vorreiter des deutschen Privatfernsehens. Ich habe ihn als beeindruckenden Menschen in Erinnerung, der trotz seiner Bedeutung immer sehr unprätentiös auftrat."

Monika Piel, ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin: "Leo Kirch war ein Visionär, ein Mann der ersten Stunde, der die deutsche Medienlandschaft nachhaltig geprägt hat. Persönlich hat mich sehr beeindruckt, wie er trotz seiner schweren Krankheit bis zuletzt unternehmerisch aktiv war."

Andreas Bartl, ProSiebenSat.1 Group: "Das ist eine sehr traurige Nachricht. Leo Kirch war einer der inspirierendsten, wichtigsten Medienunternehmer und Visionäre unseres Landes und nicht zuletzt Mitbegründer unserer erfolgreichen Sendergruppe. Die deutsche TV-Landschaft würde es ohne sein Wirken in ihrer heutigen Form nicht geben. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie."

Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin Mediengruppe RTL Deutschland:
"Leo Kirch hat als einer der großen Unternehmer Deutschlands den Weg für das Privatfernsehen in unserem Land bereitet. Seine Konsequenz und seine unternehmerische Leidenschaft haben seine Weggefährten ebenso beeindruckt wie seine Wettbewerber."

Jürgen Doetz, Präsident Verband Privater Rundfunk und Telemedien e. V. (VPRT)
: "Ohne den unternehmerischen Weitblick und den Mut von Leo Kirch wäre der erfolgreiche Start und der Aufbau des privaten Fernsehens 1984 in Deutschland nicht möglich gewesen. In tiefer Betroffenheit trauern wir um eine der großen Unternehmerpersönlichkeiten unserer Republik."

(od)

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