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ZDF-Intendant Schächter warnt vor Apple, Google und Co.

12.10.2010 20:51

Anlässlich der Medientage München warnt ZDF-Intendant Markus Schächter vor falschen Diskussionen in der deutschen Medienlandschaft. Apple, Google und Co. müsse man ins Visier nehmen, mahnt er in einem Interview mit dem Branchenmagazin DWDL. Darüber hinaus greift Schächter das kostenpflichtige HDTV-Angebot der Privatsender an.

Bei den Medientagen München wird sich die deutsche Medienbranche ab Mittwoch wieder mit aktuellen Herausforderungen und Chancen beschäftigen. ZDF-Intendant Markus Schächter mahnt dabei zum Blick über den Tellerrand hinaus. "In den USA zeigen Google-TV und Apple-TV wohin die Reise geht. Suchmaschinen und Vertriebsplattformen saugen jeden Content auf, ganz egal von wem er stammt - Zeitungen, Verlage, Sender, Produzenten. Unsere Produkte werden zum Gegenstand fremder Geschäftsmodelle", sorgt sich Schächter. "Die heutigen Hersteller und Verbreiter publizistischer und kultureller Inhalte verlieren die Hoheit über ihre Produkte, wenn sie nicht sehr genau aufpassen."

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Seine Hoffnung für die prominent besetzte Eröffnungsrunde der Medientage München ist daher: Keine "rückwärtsgewandten Diskussionen", wie man sie in "strapaziösen Wiederholungsschleifen" seit Jahren erlebt. Nicht mehr hören könne er auch "das permanente Wehklagen der kommerziellen Medien beispielsweise über angebliche Wettbewerbsverzerrungen durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk." Schächter: "Das geht mir schon auf die Nerven. Es steht regelmäßig im diametralen Gegensatz zu den stolzen Gewinnmitteilungen der dahinter stehenden Konzerne." In diesem Zusammenhang übt der ZDF-Intendant auch so scharf wie nie zuvor Kritik an dem kostenpflichtigen HD-Angebot HD+ von Satellitenbetreiber Astra und den deutschen Privatsendern.

"Ich wundere mich schon, dass sich kein Mensch darüber aufregt, dass die Privatsender mal eben fünf Euro für das ganz normale Programm in HD-Qualität kassieren wollen. HDTV ist der neue Fernseh-Standard. Es ist eine Dreistigkeit, dem Publikum dafür ein Abonnement aufzudrücken. Das Privatfernsehen wird vor allem durch Werbung finanziert. Die Zeche zahlt also jeder, wenn er etwa Produkte des täglichen Lebens kauft", so Markus Schächter im Gespräch mit dem Branchendienst und sorgt sich: "Mit der neuen Maut-Stelle wird die im europäischen Vergleich ohnehin rückständige Digitalisierung in Deutschland weiter abgebremst."

Bild: © medienhb.de

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