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Gutachten: „Die Bedeutung des Internets im Rahmen der Vielfaltssicherung“

13.07.2010 21:56

Unter den Medienteilmärkten gewinnt das Internet zunehmend an Bedeutung. Mit seiner steigenden Nutzungsrelevanz stellt sich auch die Frage nach seiner Rolle im Meinungsbildungsprozess und danach, ob und inwieweit einzelne Akteure Meinungsmacht in diesem neuen Medium erlangen können oder schon erlangt haben. Diese publizistische Bedeutungszunahme hat die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) veranlasst, ein Gutachten in Auftrag zu geben, das den Meinungsbildungsprozess im Internet untersucht und Auskunft zur Vielfaltssituation in diesem noch jungen Medienteilmarkt gibt. Das Gutachten mit dem Titel „Die Bedeutung des Internets im Rahmen der Vielfaltssicherung“ wurde heute in Potsdam von der Vorsitzenden der KEK, Prof. Dr. Insa Sjurts, im Beisein der Autoren Prof. Dr. Christoph Neuberger (Institut für Kommunikationswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster) und Prof. Dr. Frank Lobigs (Institut für Journalistik der Technischen Universität Dortmund) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Gutachten verfolgt einen interdisziplinären Ansatz: Kommunikationswissenschaftliche Analysen werden um ökonomische Bestandsaufnahmen zu publizistischem Angebot und crossmedialen Verflechtungen ergänzt. Im kommunikationswissenschaftlichen Abschnitt untersucht das Gutachten Meinungsbildung, Meinungsmacht und Vielfalt im Internet. Der medienökonomische Teil des Gutachtens systematisiert typische crossmediale Verflechtungskonstellationen zwischen klassischen Medien und Internet und bewertet diese hinsichtlich ihrer Meinungsbildungsrelevanz. Eine Strukturanalyse der Online-Portfolien deutscher Großverlage sowie der beiden großen Senderfamilien ProSiebenSat.1 Media AG und RTL Group S.A. zeigt die dahinterstehenden Unternehmensstrategien und die dazugehörigen Geschäftsmodelle auf.

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Neuberger betonte, das entgegen der weit verbreiteten Annahme einer quasi „immanenten“ Vielfalt des Internets infolge der großen Zahl der Anbieter, sich eine Reihe von vielfaltsmindernden Faktoren benennen lasse. So zeige sich im Bereich der publizistisch relevanten Anbieter eine Dominanz der Internetableger traditioneller Massenmedien, die Inhalte aus anderen Teilmedien im Internet nochmals aufbereiten und verwerten. Er wies nachdrücklich darauf hin, dass aufgrund der Heterogenität das Internet nicht als Gesamtmedium auf seine Meinungsbildungsrelevanz hin beurteilt werden könne, sondern nach Angebotstypen differenziert werden müsse.

Sjurts bekräftigte, dass der Bedeutungszuwachs des Internets im Zusammenspiel mit den crossmedialen Strategien großer Medienunternehmen neue Potenziale für die Entstehung von Meinungsmacht schaffe. Diese besonderen Entwicklungen müsse ein wirksames Medienkonzentrationsrecht berücksichtigen. Sie plädierte daher nachdrücklich für einen ganzheitlichen Ansatz im Rahmen der Vielfaltssicherung.

Das Gutachten ist in Kürze auf der Webseite der KEK (http://www.kek-online.de) abrufbar.

Christoph Neuberger, Frank Lobigs: Die Bedeutung des Internets im Rahmen der Vielfaltssicherung
Schriftenreihe der Landesmedienanstalten, Band 43, VISTAS Verlag Berlin
45,- Euro, ISBN: 978-3-89158-529-0

Quelle: KEK

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