medienhb.Geschichte

1952 war es, als die Anfänge des heutigen Fernsehens in Deutschland begannen und der programmlich reguläre Sendebetrieb - nach unzähligen Testsendungen und dem Missbrauch in der Zeit des Nationalsozialismus - neu aufgenommen wurde. Auch wenn Fernsehrundfunk zur damaligen Zeit alles andere als dem heutigen entsprach, so war dies doch der Beginn eines der wichtigsten Informations- und Unterhaltungsmedium, und zugleich der Anfang unserer modernen Mediengesellschaft.

Gesellschaftliche und technische Historie des Rundfunks

Die Anfänge des Fernsehens (1884-1932)

ab 1884 - der technische Grundstein

Aus technischer Sicht betrachtet, begann die Geschichte des Fernsehens genau genommen bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die Technik stand am Anfang ihrer Entwicklung – als Paul Nipkow 1884 mit der Erfindung des ersten mechanischen Bildfeldzerteilers, der „Nipkow-Scheibe“, und 1887 Karl Ferdinand Braun mit der Entwicklung der „Braunschen Röhre“ – den Grundstein des heutigen Fernsehens legten. 1906 hatten M. Dickmann und G. Glage mit Hilfe der braunschen Röhre die erste Wiedergabe eines 20-zeiligen Schwarzweißbildes ermöglicht, bevor weitere zwei Jahrzehnte später dem Schotten John L. Baird, 1926, der große Fortschritt gelang. Baird demonstrierte die erste öffentliche Fernsehvorführung mit Hilfe seiner „Noctovision“, der von ihm weiterentwickelte Nipkow-Scheibe. Er war in der Lage Halbton-Bilder innerhalb seiner Londoner Wohnung von Zimmer zu Zimmer zu übertragen – bevor ihm ein Jahr später die erste Übertragung eines Fernsehbildes über den Atlantik gelang.


ab 1928 - erste Bildübertragung und Fernsehversuchsendungen

In den USA unterdessen: 1928 in New York, gelang die erste Fernsehübertragung bei der Live-Bilder gesendet wurden. Der Elektrophysiker Denis von Mihaly realisierte im selben Jahr auf der anderen Seite der Erde - in Berlin, die erste Übermittlung eines 30-zeiligen Fernsehsignals mit einer Bildwechselfrequenz von 10 Bildern pro Sekunde das über eine Fernsprechverbindung zwischen seinem Laboratorium und dem telegraphischen Reichsamt übertragen wurden. 1929 begann das Reichspostzentralamt mit ersten drahtlosen Fernsehversuchssendungen, die in den Folgejahren weiter intensiviert und bis 1930 von Kurzwelle auf den UKW-Frequenzbereich ausgeweitet wurden.

Auch wenn das Fernsehen in dieser Zeit so langsam Form annahm, war es mit einer Bildwiedergabe von 30 oder maximal 96 Zeilen und einer Darstellung von 900 Bildpunkten auf 4 x 4 oder 8 x 10 cm großen Empfangsgeräten noch immer eine Technologie die tief in ihren Kinderschuhen stecke. Die Deutsche Reichspost führte 1929 die erste deutsche Fernsehnorm ein, deren Eigenschaften mit 30 Zeilen und einer Bildwechselfrequenz von 12,5 Hz fast an den Rand der technischen Möglichkeiten stießen. In Großbritannien begann man derweil mit einer regelmäßigen Ausstrahlung eines Rundfunkfernsehprogramms, das in Zusammenarbeit mit Braid Company produziert wurde und bei der British Broadcasting Corperation (BBC) werktäglich ab 11 Uhr für 30 Minuten zu empfangen war.


ab 1930 - erster vollelektronischer Bildwandler

Der vom Berliner Physiker Manfred von Ardenne konstruierte Leuchtschirmabtaster, das Ionoskop – das eine lichtempfindliche Oberfläche zur Wandlung optischer Information in elektrische Ladungen nutzte – löste Anfang der 30er Jahre die Nipkow-Scheibe ab. Ardenne übertrug im Dezember 1930 zur Demontration seiner Erfindung ein Fernsehsignal aus seinem Laboratorium in Berlin-Lichterfelde. Er schuf damit das erste vollelektronische Verfahren zur Übermittlung von aufeinanderfolgenden Einzelbildern unter Nutzung einer Elektronenstrahlröhre, die sender- sowie empfängerseitig eingesetzt wurde – und in einem Raster von 100 Zeilen bei einer vertikalen Bildwechselfrequenz von 20 Hz arbeitete.

Rundfunk in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945)

ab 1933 - der Rundfunk als Propagandawerkzeug

Als Ende Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Regierungsmacht kamen, nahm der zur Volksaufklärung und Propaganda ernannte Reichsminister Goebbels die gesamte Kompetenz des deutschen Rundfunks an sich. Der Hör- und sich entwickelnde Fernseh-Rundfunk wurden missbräuchlich zum Sprachrohr der NSDAP an die Masse - mit dem Zweck der meinungsbildenden allgemeinen Volksbeeinflussung und der Vermittlung ideologischer Vorstellungen des Diktators, Adolf Hitler.

1934 führt die deutsche Reichspost die neue Fernsehnorm mit 180-Bildzeilen und 25 Bildern pro Sekunden ein. Nur wenige Tage später strahlte „Telefunken“ über die deutsche Reichspost die erste Bild/Tonsendung auf getrennt im UKW-Bereich befindlichen Frequenzen aus, da Bild- und Toninformation nicht gleichzeitig über eine gemeinsame Wellenlänge zu übertragen waren. In den Monaten April bis Mai des Jahres 1935 wurden die ersten vier öffentlichen „Fernsehstuben“ im Berliner Reichsmuseum eröffnet. Nur kurze Zeit zuvor begann bereits die Aufnahme des regelmäßig betriebenen Fernsehprogrammdienstes der „Reichs-Rundfunk-Gesellschaft“, die werktäglich ihr Programm veranstaltete.


ab 1936 - der Reichs-Fernsehsender

Die Ausstrahlung des Fernsehsenders „Paul Nipkow“ - nach dem Fernseherfinder benannt - sah regelmäßige Unterhaltungssendungen im Zeitraum von 20 bis 22 Uhr vor, die montags bis freitags in die bereits 27 Berliner Fernsehstuben übertragen wurden. Zu den olympischen Spielen des Jahres 1936 wurde das Programm auf täglich 8 Stunden erweitert, in denen live oder mit Hilfe des Zwischenfilmverfahrens die dargebotenen Wettkämpfe übertragen wurden.

Gegner der Nationalsozialisten betrieben ab 1937 den ersten Piraten-Hörfunksender, der als „Sender der Freiheit“ bekannt wurde. Nur wenige Monate später wurde der Sender durch die „Gestapo“ auf Grund antifaschistischer Programme gewaltsam unterbunden.

1937 führten Frankreich und England den hochzeiligen Fernsehdienst mit 455-Bildzeilen ein; die Reichspost in Deutschland die 441-Zeilen-Norm. Walter Bruch, der spätere Erfinder der PAL-Farbfernsehnorm entwickelte im gleichen Jahr das erste elektronische Fernsehstudio und nahm es nach insgesamt einem Jahr Herstellung und Einrichtung in Betrieb, bevor am 24. August 1939 vorerst die Einstellung des Fernsehbetriebs auf Anordnung des Oberkommandos der Wehrmacht - wenige Tage vor Beginn der Eroberungskriege - erfolgte.

In den USA wurde unterdessen 1940 die Fertigstellung eines Farbfernsehsystems angekündigt. Knapp ein halbes Jahr später, am 9. Januar 1941 sendete die „CBS“ aus New York bereits erstmals Live-Bilder in Farbe – und im Mai desselben Jahres zog „NBC“ mit einem ähnlichen Farbfernsehsystem nach, bevor in den USA die 525-Zeilen-Norm bei 30 Bildern pro Sekunde eingeführt wurde.

In Nazi-Deutschland stand derweilen, 1944 der Empfang und das Abhören von Auslands-„(Feindes)sendungen“ unter Todesstrafe der NS. Im April desselben Jahres wurden unterdessen in den Nachbarländern - die der zum opfergefallenen Rundfunkprogramme - vor dem Einmarsch der Alliierten Befreiungstruppen durch die deutschen Besatzer geräumt.

ab 1945 - Einstellung des Rundfunks

Am 1.Mai 1945 nach dem Einmarsch der Befreiungsmächte in Berlin, und der verbreiteten Todesmeldung Hitlers, wurden auch die von der SS besetzten Rundfunkhäuser in Deutschland aufgegeben und der Sendebetrieb komplett eingestellt. Nach der Kapitulation der Nazis und der Einnahme von Deutschland durch die Befreiungsmächte der Alliierten, wurde unter deren Leitung die Programmgestaltung von Sendediensten für die deutsche Bevölkerung verboten.

Die Neuordnung des Rundfunks (ab 1949)

Vier Jahre nach Ende des Krieges beschlossen die Befreiungsmächte den Rundfunk wieder in deutsche Hände zu übergeben. Jedoch mit dem Ziel, jegliche Einflussnahme durch den Staat - auch unter demokratischer Legitimation der am 8.Mai 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland - zukünftig auszuschließen. Bereits im September 1948 wurde hierzu in Hamburg unter 33 Vertretern der deutschen Fernsehtechnik die 625-Zeilen-Norm für die Wiederaufnahme des deutschen Fernsehens festgelegt. Das Comité Consultatif International des Radiocommunications (CCIR) legte am 24.Juli 1950 die 625-Zeilen-Norm als technische Grundlage für das europäische Fernsehen fest.


ab 1950 - Gründung der ARD

Der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) und die Bundespost schlossen 1949 einen Vertrag zur Kompetenzverteilung und der Form des technischen Wiederaufbaus des Fernsehrundfunks. Ein Jahr später, am 12.Juli 1950 wurde erstmals nach dem Krieg ein Testbild des NWDR-Fernsehens direkt aus Hamburg gesendet, bevor am 27.November das erste regulär veranstaltete Fernsehversuchsprogramm, zunächst drei Mal wöchentlich, ausgestrahlt wurde. Aus den sechs bestehenden Landesrundanstalten, mit Hörfunkprogrammen und den unter den Befreiungsmächten entstandenen Fernsehprogrammen (BR, HR, RB, SDR, SWR, NWDR und RAIS) ging am 5.Juni 1950 die Arbeitsgemeinschaft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Bundesrepublik Deutschland (ARD) hervor. Ende 1951 wurde auch die Aufnahme eines ersten offiziellen Versuchsprogramms in der DDR beschlossen, welches am 21.Dezember des Folgejahres aus den Studios in Berlin-Adlershof auf Sendung ging.


ab 1952 - Erster regulärer Fernseh-Sendebetrieb in der Bundesrepublik Deutschland

Die „Union der Europäischen Rundfunkorganisationen“ nahmen am 17.April 1952 Deutschland in die Mitgliedschaft auf, bevor am 25.Dezember desselben Jahres pünktlich um 20 Uhr der Startschuss für das heutige öffentlich-rechtliche Fernsehen fiel. Denn der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) nahm sein reguläres Fernsehprogramm nun offiziell und Dauerhaft in Betrieb. In der Anfangszeit beschränkte sich die Sendezeit jedoch nur auf 20 bis 22 Uhr. Gesendet wurde aus einem Bunker auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg.


ab 1954 - Entstehung des ARD-Gemeinschaftsprogramms“

Die in der Arbeitsgemeinschaft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zusammengefassten Landesrundfunkanstalten bildeten am 01.November 1954 das Gemeinschaftsprogramm der Rundfunkanstalten des Westens. Die Zuteilung der Programmbeisteuerung, d.h. welche der Sendeanstalten einen wie großen Teil am Gemeinschaftsprogramm beitragen musste, wurde wie folgt geregelt: Das Programm bestand zu 50% aus Inhalten des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR), zu 20% des Bayerischen Rundfunks (BR) und zu jeweils 10% aus Programmen des Hessischen (HR), Süddeutschen (SDR) sowie des Südwest Rundfunks (SWR). Wenig später, zur Einbeziehung der Sendeanstalten „Radio Bremen“ (RB) und „Sender Freies Berlin“ (SFB) änderte sich der Prozentualanteil der zusammengeschlossenen Sendeanstalten entsprechend. Die in der Bundesrepublik Deutschland registrierte Anzahl der Fernsehteilnehmer steigt bis Dezember 1954 auf 84.278 Personenhaushalte und erreicht bereits wenige Wochen später die Marke von 100.000. Zwei Jahre später, 1956 erfolgte die Teilung des NWDR, aus dem sich zwei eigenständige Rundfunkanstalten, der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bildeten.


ab 1956 - Erste Werbesendung im Fernsehen

Fast genau zwei Jahre nach der Gründung des Gemeinschaftsprogramms war auch die Geburtsstunde des Werbefernsehens gekommen, als am 3.November 1956 im Abendvorprogramm die erste Werbesendung des Bayerischen Rundfunks ausgestrahlt wurde.


ab 1963 - Zweites Deutsches Fernsehen

Mit der Gründung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) 1961 und der Aufnahme des regulären Sendebetriebs am 1.April 1963, hatte die historisch begründete Monopolstellung der ARD ein Ende gefunden, was auch zum ersten Konkurrenzdenken bei den Veranstaltern führte.


ab 1967 - Einführung des Farbfernsehens

Wenige Jahre später war auch die Zeit der „grauen Bilder“ vorbei, als das von Walter Bruch entwickelte - und noch heute genutzte PAL-Farbfernsehverfahren - 1967 auf der 25. Deutschen Funkausstellung vorgestellt und offiziell eingeführt wurde.


ab 1984 - Gründung des Privatfernsehens

Mit dem 4.Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichts wurde Anfang der 80er Jahre der Weg zur Veranstaltung von privatwirtschaftlich betriebenen Rundfunkprogrammen ermöglicht. Im Januar des Jahres 1984, genau genommen am 1. und 2. des Monats, starteten zwei der heute größten Privatsender im Rahmen eines Kabelpilotprojekts. Sat.1, damals gestartet als Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS) und der Sender RTL, als RTLplus.

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